Wechseljahre – Krise oder Chance?

Wechseljahre - Krise oder Chance?

Wenn man sich den öffentlichen Umgang mit dem Älter werden anschaut, lautet die Antwort auf die Titelfrage wahrscheinlich:

„Die Wechseljahre sind DIE große Krise im Leben einer Frau! Ab dem Zeitpunkt der Lebensmitte geht es bergab, du existierst nicht mehr als Frau und die besten Jahre sind Vergangenheit!“

Na ja, das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert. Allerdings scheint das Thema Wechseljahre mindestens so sexy wie Hämorrhoiden zu sein.

Deshalb wird es auch gerne totgeschwiegen. Wenn überhaupt, wird nur hinter vorgehaltener Hand darüber gesprochen. Manche Frau tut alles, um die unabänderlichen Signale des Alterns zu überschminken, wegzucremen oder einfach nur zu verleugnen. Was nicht heißen soll, dass ich keine Schminke oder Creme mag – ganz im Gegenteil! Leider unterdrückt aber die einseitige Konzentration auf  Verdrängung des Alterns die wichtige seelische Weiterentwicklung. Der Fokus liegt häufig auf der Beseitigung der körperlichen Symptome, wobei der Ruf der Seele vollkommen überhört wird.

Kennst du auch diese negative Haltung gegenüber dieser Lebensphase? Oder siehst du eher die vielen Chancen, also das Licht am Ende des Tunnels, wenn diese Lebensphase und ihre Krisen gut und bewusst gestaltet wurde?

Ich bin davon überzeugt, dass die Wechseljahre im Leben von uns Menschen, und das betrifft Frauen und Männer gleichermaßen, einen ganz besonderen Wendepunkt darstellen, der etwas Besonderes und Neues eröffnet.

Dieser Beitrag möchte eine Lanze für eine positive Sicht auf die Wechseljahre brechen. Du erfährst, warum es möglich ist, aus Krisen dieser Lebensphase gestärkt hervorzugehen. Und auch, warum du die Chance ergreifen solltest, nochmal richtig durchzustarten. Bewusst in diese Zeit der natürlichen Veränderung eingetaucht, ergeben sich wunderbare Möglichkeiten, ganz und gar bei sich anzukommen.

Die Gesellschaft hat eine große Verantwortung!

Doch vorab: wie kam es überhaupt dazu, dass die Wechseljahre und das Altern bei uns häufig negativ bewertet werden?

Eine liebe Bekannte von mir, die übrigens 99 Jahre alt wurde, sagte gerne:

Jeder will alt werden, doch keiner will alt sein!

Noch vor 150 Jahren kam die Frau, wenn überhaupt, in die Wechseljahre und starb meistens kurze Zeit später. Es war ab diesem Zeitpunkt keine gestaltbare Lebenszeit mehr vorhanden und die Frau fügte sich in diese natürliche Abfolge.

Heutzutage hat die Leistungsfähigkeit und äußerliche Attraktivität eines Menschen bei vielen oberste Priorität. Somit empfinden wir das Schwinden unserer körperlichen Kräfte als besonders furchtbar. Verständlicherweise macht das vielen von uns erst einmal Angst. Und alles, was uns Angst macht, wird gerne unterdrückt. Auf diese Weise haben wir keine Chance, uns mit unserem natürlichen Alterungsprozess zu befassen, denn „darüber spricht MAN nicht!“.

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang übrigens auch die unterschiedliche Sicht der Gesellschaft auf die Wechseljahre von Frau und Mann. Über Männer ab der Lebensmitte, die in eine Krise stürzen, wird gerne gesagt „Er ist halt in seiner Midlife-Crisis. Jetzt will er noch mal was erleben.“ Eine junge Geliebte, ein neues, teures Auto oder das Training auf einen Triathlon werden als effektive Mittel gesehen, um diese Phase gut zu überstehen.

Ganz im Gegensatz dazu werden Frauen in den Klischee-Vorstellungen der Wechseljahre eher als zickige, schwitzende, geschlechtslose Monster dargestellt, deren besten Jahre nun vorbei sind.

Wie sollen wir vor diesem Hintergrund souverän und voller Erwartungsfreude in diese Phase eintauchen können?

Zum Glück ist vieles von diesen heftigen Unkenrufen Klischee! Ich kenne nämlich so viele tolle Frauen, die auch jenseits der Lebensmitte interessant, attraktiv, lebenslustig sind und oft nochmal so richtig durchstarten. Das macht Mut und Lust auf die zweite Lebenshälfte!

Was wirklich als Krise bezeichnet werden kann…

… bestimmt natürlich jede Frau (und jeder Mann) ganz individuell. Und was für die Eine eine handfeste Katastrophe ist, ringt der Anderen vielleicht gerade mal ein müdes Lächeln ab. Das Alles meine ich ohne Bewertung. Wie wir auf Lebensherausforderungen reagieren, hat ganz viel mit unserer persönlichen Stresstoleranz und unseren Lebenserfahrungen zu tun. Unsere Leben sind nicht identisch und wir sind, zum Glück, alle unterschiedlich.

Übrigens, die größten Herausforderungen kann man ganz grob in 2 Krisenbereiche unterteilen:

  • Körperliche Krisen

Da sind sicherlich die häufigsten Ärgernisse in den Wechseljahren die Themen Gewicht, Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schlafprobleme. Falls dich Tipps zu diesen Themen interessieren, kannst du dich gerne für unsere wöchentlichen eMails anmelden und als Geschenk bekommst du auch unser FrauSeele  „Gute-Nacht-Ritual“.

Falls die Ursache dieser körperlichen Krise keine Krankheit ist, sind es vermutlich die veränderten Hormonausschüttungen, die uns aus der Balance werfen.

Sobald wir diese körperlichen Symptome wahrnehmen, sollten wir uns überlegen, warum sie sich jetzt gerade zeigen. Denn sie sind immer ein Versuch, uns näher an uns selbst und unsere Bedürfnisse heranzuführen. Wir dürfen uns fragen:

Was tut mir jetzt gut und was nicht?

Wenn wir hierzu Antworten finden und diese auch umsetzen, eröffnet sich ein gewaltiges Entwicklungspotential, so dass wir eine neue Kraft und Balance für uns finden können.

  • Emotionale Krisen

Immer wieder höre ich von Frauen ab 40, dass sie emotional nochmal so richtig durchgeschüttelt werden. Interessanterweise sagen sie oft, dass es dafür „eigentlich“ keinen Anlass gibt. Wenn sie sich dann allerdings auf den Weg machen und sich ihren Bedürfnissen und Ängsten stellen, kommen meistens alte Fragen wieder hoch. Das können Themen aus der Vergangenheit sein, die noch nicht abschließend bearbeitet wurden. Oder es sind Konflikte in der jetzigen Partnerschaft, die sie beschäftigen. Gerade, wenn Kinder flügge werden und das Haus verlassen, werden Partnerschaften vor neue Aufgaben gestellt. Man ist nun nicht mehr hauptsächlich in der Rolle der Eltern, sondern spürt plötzlich wieder, dass es da ja noch eine Paarbeziehung gab oder gibt. Und auch Frauen, die keine Kinder haben, dürfen sich nun von dem Gedanken verabschieden, das eventuell noch ändern zu können. Das bedeutet unter Umständen, Abschied von einem eventuell einmal gefassten Lebensplan nehmen zu müssen.

Weiterhin kann uns auch die veränderte Lebenssituation unserer Eltern, die natürlicherweise auch älter und gebrechlicher werden, in tiefe Krisen stürzen. Das innere Kind in uns tut sich häufig schwer damit, die ehemals als so stark empfundenen Eltern schwach und hilfsbedürftig zu sehen. Falls du mehr über diese ganze psychische Thematik erfahren möchtest, lies gerne auch  „Wechseljahre – so kann deine Seele leiden.“.

Es gibt nur eine Schlussfolgerung

Wir können unser Altern nicht aufhalten. Es sei denn, wir möchten jung sterben. Doch was ist das für eine traurige Alternative, nicht wahr? Zum Glück verändern wir uns mit fortschreitendem Lebensalter, denn wer möchte so enden wie der Hauptdarsteller im Roman „Das Bildnis des Dorian Grey“ von Oscar Wilde? Diese Geschichte ist wirklich tragisch, da die Schlüsselfigur dieses Werkes für immer jung bleibt, während um ihn herum seine Liebsten älter werden und sterben. Dorian Grey bleibt zurück in tiefster Einsamkeit und Verzweiflung – er hat seine wichtigste Lebensaufgabe nicht erkannt. Das lässt uns erkennen, das ewige Jugend ein gewaltiger Fluch ist, auch wenn es zuerst nicht so scheint.

Die Veränderungen in unserem Leben, ob es nun Falten sind oder der Auszug der Kinder aus dem Elternhaus, weisen uns darauf hin, dass sich ständig etwas in unserem Leben verändert. Ich hatte im letzten Jahr beispielsweise mein 30-jähriges-Abitreffen. Bei der Zahl 30 hat mich doch irgendwie der Schlag getroffen – gefühlt war das alles vorgestern. Kennst du das auch, dass du dich an so viele Dinge aus deiner Jugend noch so intensiv erinnern kannst und dabei auch viele alte Emotionen wieder lebendig werden?

Warum stellen manche Frauen in der Lebensmitte alles auf den Kopf?

Wenn ich so einige Lebensgeschichten verfolge, habe ich das Gefühl, dass manche Menschen wie von einem unsichtbaren Faden gezogen werden. Ihre Lebensveränderungen haben sich, von außen betrachtet, scheinbar mühelos und selbstverständlich so ergeben.

Wie kann das sein?

Lebensereignisse wie Geburt, Kindheit, Teenagerjahre, Abnabelung von den Eltern, Berufswahl, Partnerschaft, Familiengründung, Alter, Ruhestand und Tod sind klassische Phasen, die uns Orientierung durch unser Leben geben (können). Manche davon können wir überspringen, andere aber nicht. Ganz zu schweigen von den Lebensereignissen, die uns dazwischen immer ereilen können: Trennungen, Scheidungen, Arbeitslosigkeit, Krankheiten.

Entscheidend ist nun, wie wir mit unseren Lebensereignissen umgehen. Häufig unterdrücken wir das, was unangenehm ist. Das ist ein ganz natürlicher Schutzmechanismus. Von allen angenehmen Erfahrungen wollen wir immer mehr und mehr. Auch verständlich, aber diese Trennung zwischen Ablehnung von Schmerz und Konzentration auf Spaß und Freude ist nicht unbedingt immer sinnvoll.

Durch die ausschließliche Konzentration auf die positiven Aspekte unseres Lebens verdrängen wir die weniger angenehmen Ereignisse in den Schatten. Sie lösen sich dort allerdings nicht auf, sondern warten darauf angeschaut und transformiert zu werden. Falls wir uns ihnen nicht zuwenden, suchen sich diese Energien andere Kanäle, um auf sich aufmerksam zu machen. Und das kann uns dann z.B. in Form von Hitzewallungen oder Panikattacken das Leben schwer machen.

Aus meiner Sicht machen die Glückskinder, die scheinbar mühelos durch ihr Leben gleiten, intuitiv eines genau richtig: sie nehmen die Aufgaben, die das Leben ihnen stellt, vertrauensvoll an. Sie sind bereit, auch unangenehme Lebensphasen zu durchleben, wodurch sie meistens auch besser heilen können.

Hey, und genau darin liegt der Reiz und die große Chance der Wechseljahre!

Wir können uns entscheiden, ob wir mit aller Macht gegen diese natürliche Veränderung in den Wechseljahren ankämpfen, oder uns bewusst damit auseinandersetzen. Nachdem die meisten von uns vor der Lebensmitte viel für andere da waren, dürfen sie sich nun verstärkt um sich selber kümmern.

Fühlt sich dein Leben für dich stimmig an? Hast du dich bereits gefragt, welche Lebensaspekte du noch gerne in dein Leben integrieren möchtest?

Wenn wir die Antworten auf diese Fragen leben, übernehmen wir Verantwortung für uns und werden Gestalter unseres weiteren Daseins. Denn im Gegensatz zu unseren Vorfahren vor 150 Jahren haben wir ja meistens noch eine große Lebensspanne vor uns. So kann sich unsere Seele sinnvoll weiter entwickeln.

Daraufhin erkennen wir, dass die Wechseljahre eine ganz besonders intensive Zeit mit wertvollen Erkenntnissen sind. Und das gilt natürlich auch dann für dich, wenn du bereits heute aus tiefstem Herzen JA zu deinem Leben sagst und alles genauso gut ist, wie es bereits ist. Wunderbar! Herzlichen Glückwunsch!

Eine wichtige Erkenntnis kann lauten:

Die Lebensmitte ist dazu prädestiniert, inne zu halten und eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Es geht nicht darum, etwas GEGEN die Wechseljahre zu tun, sondern uns in dankbarer, akzeptierender Weise dieser neuen Lebensphase zu widmen.

Wer hingegen weiter durchs Leben läuft wie bisher und meint, alles müsse ewig so weitergehen, läuft Gefahr, depressiv und ängstlich zu werden.

Auch in unserer Sprache finden wir die Antwort auf die Frage „Krise oder Chance?“

Wenn wir uns einige Begriffe der Wechseljahre näher anschauen, können wir echte Überraschungen erleben. Denn viele dieser Worte sind von ihrem Ursprung her wirklich Mut machend. Folgende „Übersetzungen“ habe ich gefunden:

Klimakterium:

Das ist der Fachbegriff für die Wechseljahre. In Wikipedia steht, dass man früher auch „Stufenjahre“ dazu gesagt hat. Das gefällt mir, dir auch? Stufen suggerieren für mich eine ENT-wicklung, einen Prozess. Es geht weiter – nur wahrscheinlich nicht mehr so wie zuvor.

Außerdem steckt auch das Wort Klimax darin. Das habe ich in Wikipedia zu Klimax gefunden:

„Klimax…rhetorisches Stilmittel…. besteht aus einer stufenartigen Steigerung von Ausdrücken, d. h. aus einem Übergang vom weniger Bedeutsamen zum Bedeutsamen, vom weniger Ausgeprägten zum Ausgeprägten, wodurch die Gesamtaussage erheblich verstärkt wird.“

Ist das nicht toll? Was für eine Aussage! Vom weniger Bedeutsamen zum Bedeutsamen… Das heißt doch auch, dass das Beste noch vor uns liegt! Wieder ein Punkt mehr auf das Konto der „Chance“ :-).

Und im Englischen ist „climax“ der Höhepunkt. Also nichts mit Tiefpunkt, Bedeutungslosigkeit – das Gegenteil ist der Fall!

Krise:

Die Krise bezeichnet eine häufig schwierige, mit einem Wendepunkt verknüpfte, Entscheidungssituation. Abzugrenzen ist sie von einer Katastrophe, die immer in einem Desaster endet. Eine Krise markiert lediglich einen Punkt, an dem Veränderung möglich ist – und dadurch können wir wachsen. Dazu sollten wir die Chance, die in jeder Krise liegt, erkennen.

Menopause:

Hier liegt die Betonung für mich auf dem Wort „Pause“. Eine Pause bietet die Chance der Innenschau und Zwischenbilanz. Wir können aus unserem Hamsterrad aussteigen und in uns hineinhorchen:

Was steht jetzt an? Was ist mir wichtig? Was wollte ich schon immer mal machen, habe es mich aber bisher nie getraut? Was, oder auch wen, möchte ich nicht mehr in meinem Leben haben? Dazu kann alles und jeder zählen, der uns auf unserem weiteren Entwicklungsweg blockiert.

Solltest du dich in bestimmten privaten oder auch beruflichen Situationen immer wieder energielos und traurig fühlen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Ich spreche da nicht nur aus meiner Praxiserfahrung, sondern auch aus persönlicher Erfahrung. Natürlich ist es manchmal sehr schwer, den Absprung aus blockierenden Lebensbereichen zu schaffen. Es gibt zuerst einmal so viele Fragen und Ungewissheiten. Allerdings kann ich dir aus ganzem Herzen sagen, dass es sich absolut lohnt, noch einmal etwas Neues zu wagen. Und alles beginnt mit einem ersten, auch kleinen, Schritt.

Klar, zwischen Theorie und Praxis klaffen oft tiefe Abgründe

Theoretisch liest sich das alles leicht, aber was passiert wirklich mit einem Menschen, der sein Leben lang einen Plan, wie z.B. Karriere und Familienaufbau, verfolgt hat und nun plötzlich sieht, dass alles auch ohne ihn weitergeht? Viele fühlen sich ihrer Daseinsberechtigung beraubt, nutzlos und sinnlos.

Genau darin liegt aus meiner Sicht des Pudels Kern:

Um die Wechseljahre glücklich und zufrieden zu durchlaufen, muss ich bereit sein mir einzugestehen, dass sich da tatsächlich was ändert in meinem Leben. Und das ich diese Veränderung nicht vermeiden kann.

Jüngere Generationen kommen – zum Glück – nach, und auch sie durchlaufen die gleichen Lebensphasen wie wir. Das bedeutet, auch sie werden älter. Heute dürfen wir für sie Platz machen. Zumindest bei den Themen, die meistens vor der Lebensmitte bedeutend sind. Wir dürfen lernen in mancher Hinsicht zurückzutreten. Schwer auszuhalten für die, die es gewohnt sind immer weiter zu laufen.

Rücktritt und Stillstand ist für viele Menschen schwer auszuhalten, da sie es mit Scheitern und Passivität verbinden. Wer will schon zum „alten Eisen“ gehören?

Lebendigkeit dagegen bedeutet für viele immer noch Aktivität und Attraktivität. Aber warum nicht auch im Innehalten aktiv und besonnen sein? Alles anschauen, aufnehmen, schätzen, bewahren und vielleicht das ein oder andere ändern? Um dann mit neue Ideen aufzubrechen.

Was haben die Wechseljahre mit unserer Sterblichkeit zu tun?

Auch wenn statistisch an unserem 40.sten Geburtstag noch die Hälfte des Lebens vor uns liegt, markiert diese Zahl für viele einen Wendepunkt, der häufig mit Unbehagen wahrgenommen wird. Das Gefühl „Nun geht es bergab“ macht sich bei einigen breit und auch eine Art Torschlusspanik.

Wie kommt es genau jetzt dazu? Wahrscheinlich geht es um Zeit. Wir spüren, bewusst oder unbewusst, dass unsere Lebenszeit abläuft. Jeden Tag, mit jedem Atemzug. Sobald wir innehalten, müssen wir uns unbewusst auch mit unserer Sterblichkeit auseinandersetzen. Und das haben die meisten von uns nicht gelernt. Unsere Gesellschaft verdrängt das Thema Sterben und viele glauben unbewusst, durch enorme Aktivität dem Tod davon laufen zu können. Doch letzten Endes holt er uns alle. Also was spricht dagegen, den Gedanken an unsere Endlichkeit in unser Leben zu integrieren? So wie es Himmel und Erde, hell und dunkel gibt, gibt es auch Leben und Tod. Das Eine kann nicht ohne das Andere existieren.

Also integrieren wir den Gedanken an unsere Endlichkeit in unser Leben. Wenn wir uns unsere Ängste ansehen, merken wir, dass sie uns nicht mehr so beherrschen können, als wenn wir sie unterdrücken.

Die Lebensmitte ist ideal für eine Neuorientierung

Angekommen in der Lebensmitte dürfen wir die Aufforderung „Zwischenbilanz zu ziehen“ annehmen. Was haben wir erreicht, wohin wollen wir noch? Falls uns Bereiche auffallen, die wir noch nicht gelebt haben, können wir vieles davon auch nachholen. So häufen wir unsere Bedürfnisse nicht an, sondern erlösen sie durch zielgerichtete, bewusste Aktivitäten. Jetzt ist die Zeit für neue Kinder und zwar in Form von geistig-seelischen Projekten!

Gerade in den Zeiten höchster Anstrengung, wenn wir tief in einer Krise stecken, stehen die Chancen für unser Wachstum gut. Bei mir machte sich in Krisenzeiten nach den ersten Tränentälern immer eine Aufbruchsstimmung breit. Ob das eine Art Überlebensinstinkt ist? Ich glaube schon. Wir können ganz bewusst unseren Stehaufmännchen-Modus (oder besser StehaufFrauchen-Modus) aktivieren. Zumindest ist in solchen Zeiten eine ganz besondere Energie vorhanden, die uns motiviert Dinge anzuschauen, einzuordnen und Entscheidungen zu treffen. Endlich!

Wusstest du, dass die Wechseljahre im Englischen „The change“ heißen? Ich musste schmunzeln, als ich das das erste Mal las und dachte mir „passt irgendwie“. Das bedeutet, dass wir neben der natürlichen hormonellen Umstellung auch die Chance bekommen, unser eigenes Leben zu betrachten und vielleicht auch hier Veränderungen vorzunehmen. Ersetzen wir bei „change“ das G durch ein C sind wir auch schon wieder bei der „Chance“.

Durch die Umstellung der Hormone werden wir erneut zu Gestalterinnen unseres Lebens.

Wir haben also die Wahl – klingt das nicht gut?

Wir haben die Wahl, ob wir die Wechseljahre als die schlimmste Zeit unseres Lebens ansehen, nach der nichts interessantes mehr passiert – oder ob wir diese besondere Zeit erforschen, annehmen und integrieren.

So kann bei der letzten Variante dann nach der Krise die Chance kommen – ergreifen wir sie!

Wie lautet deine Antwort auf diese Frage nach Krise oder Chance? Oder bist du noch auf der Suche nach deiner Antwort? Ich freue mich auf deine Erfahrungen in den Kommentaren!

2 Kommentare
  1. Astrid Hensel says:

    Liebe Bettina!
    Ein sehr guter Artikel,Kompliment.
    Wenn es alles so einfach wäre,diesen Umbruch im Körper und der Seele zu bewältigen🤔
    Ich habe 2012 meine Gebärmutter entfernen lassen,bei dieser Operation ging alles schief.Ich musste mit Folgen rechnen ,die einem keiner richtig erklärt.
    Es war ein Umdenken,andere Prioritäten setzen.Ausserdem setzten Hitzewallungen ;hoher Blutdruck ,Übelkeit,Gliederschmerzen(wie in der Pupertät),Magen und Darmbeschwerden ein.Mein Kreislauf streikte,da musste ich erstmal durch.Da hilft auch keine wunderbare Erklärung des Umbruches…sondern das Motto:
    Hilft Dir Selbst,sonst hilft Dir keiner.
    Ich habe viele grosse Dinge bewältigt,das macht mich aus.
    Gelernt habe ich vieles!Wenn eine Frau in den Wechseljahren Hilfe braucht;dann sollte der Weg immer noch zum Gynäkologen gehen.Foren sind nicht für Alle das Optimale.Das liegt im Charakter begründet.Einen schönen Sonntag und mit herzlichen Grüßen Astrid Hensel

    Antworten
    • FrauSeele says:

      Liebe Astrid,

      herzlichen Dank für deinen wertvollen Kommentar.

      Ich habe großen Respekt vor deinen Erfahrungen und den Weg, den du gegangen bist. Und ich kann deine Meinung nur bestätigen:
      sobald Krankheiten, OP’s dazu kommen, sind die Herausforderungen in jeder Lebensphase natürlich noch mal um einiges schwerer zu stemmen. Sabine und ich empfehlen hier auch immer, sich persönlich an Fachleute vor Ort zu wenden (Ärzte, Heilpraktiker), denen „Frau“ vertraut. Und genauso wichtig: auf die eigene Stimme hören. Foren können auch verunsichern, da bin ich bei dir.

      Letzten Endes dürfen wir alle lernen, Eigenverantwortung für unser Leben zu übernehmen, wie du so schön schreibst „uns selbst zu helfen“.

      Ich gratuliere dir, dass du so mutig deinen Weg gegangen bist und wünsche dir von Herzen alles Liebe und Gute!

      Bettina

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